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18 - Timewarps allgemein Drucken

Tipps und Tricks für Zeitreisen mit Avid Xpress Pro und Avid Media Composer/Symphony

Xpress Pro bietet neben den klassischen Motion-Effekten, die auf Source-Clips angewendet werden, eine abgespeckte Variante der Media Composer-„Timewarps“. Die Zeitreisen, die Sie damit unternehmen können, sind zwar nicht so elegant mit Keyframes editierbar, wie in den Composer-Systemen, dennoch lassen sich damit sehr interessante Effekte erzielen. Und: diese Form der Motion-Effekte können Sie als Effekt auf Clips in der Timeline ziehen. Für Composer- und Symphony-Anwender bietet dieser Workshop ebenfalls interessante Infos rund um das Thema Timewarp.

Es stehen in Xpress Pro sieben Varianten des Timewarps zur Verfügung, die sich übrigens netter Weise im Preview-Modus in Realtime abspielen lassen (und nur zum Ausspielen gerendert werden müssen). Sie sind dabei auch zu kombinieren mit anderen Effekten, etwa mit einem Resize oder einer Color Correction. Im Gegensatz zu anderen Timeline-Effekten können Sie also auf Segmente mit Timewarp weitere Effekte ziehen, ohne dass der zweite Effekt dem ersten den Platz streitig macht.

Zunächst wollen wir uns der guten alten 50-Prozent-Zeitlupe zuwenden, an der bestimmte Aspekte der Timewarps erläutert werden können. Als Beispiel dient ein Clip von 50 Frames Länge, in dem Oliver Kahn abspringt, auf dem Boden aufkommt, dabei einen Ball fängt, der ihm aber am Ende des Clips durch die Hände rutscht und langsam ins Tor kullert.

Zur Visualisierung der einzelnen Effekte sehen Sie hier die grafische Darstellung der Timewarps, die im Media Composer und im Symphony verfügbar sind (siehe unten).


50% Speed: „Standard-SloMo”

Timewarp 50%
Konstante Geschwindigkeit bei 50%. Im Position-Graphen sehen Sie, dass nur noch eine Sekunde (y-Achse) des Clips in der Timeline auftaucht (die x-Achse symbolisiert den zeitlichen Verlauf der Timeline; der Clip liegt dort immer noch mit einer Länge von zwei Sekunden vor).

Dieser Effekt ist vergleichbar mit einem auf Source-Seite erzeugten Motion-Effekt mit 50%. Etwas verwirrend ist allerdings, dass in der Timeline natürlich auch nur die Hälfte des eingeschnittenen Materials zu sehen ist, der Avid verlängert also nicht den Clip selbstständig in der Timeline - zum Glück, das könnte doch schnell etwas unangenehm werden. Der 2-sekündige Clip bleibt ein 2-sekündiger Clip, mit 50% Speed sehen Sie davon dann aber nur den Teil, in dem Kahn abspringt. Möchten Sie hingegen den gesamten Clip mit einer 50-Prozent-Zeitlupe versehen, so müssen Sie den Clip MIT DEM EFFEKT NACHTRÄGLICH in der Timeline auf die vollen 50 Original- Frames auftrimmen. Der resultierende Clip ist dann 100 Frames lang.

Beim Trimmen eines Timewarp-Clips (siehe „Trim to fill“) entsteht eine kleine Verwirrung, da nach einem Trim-Schritt zunächst das Frame angezeigt wird, das im Originalclip zeitlich an dieser Stelle liegen würde. Erst nach etwa einer Sekunde sehen Sie das Frame, welches durch die Wirkung des Effekts an diese Position gehört. Aber nach einer Weile haben Sie sich daran gewöhnt.


100% to 0%: „Handbremse“

Timewarp 100-0
In einer sanften Kurve drosselt der Avid das Tempo von 100 auf 0.

Der Clip startet mit Normaltempo und endet mit einem Standbild. Ideal, um Standbilder am Ende einer Sequenz besser zu motivieren, aber auch ein schöner Effekt, vor allem für sehr kurze Clips.

Hier wird nur eine Hälfte, nämlich die zweite des Original-Clips, für den Effekt verwendet. Mit „100% to 0%“ beginnt unser 50-Frame-Kahn also schon an der Stelle, als er den Boden berührt und endet mit dem verwunderten Gesichtsausdruck. Wie schon erwähnt: soll die gesamte Kahn- Aktion sichtbar sein, trimmen Sie den Clip inklusive Effekt vorne bis zum Anschlag auf.

Die Dynamik wurde von Avid folgendermaßen festgelegt: Die 25 Frames, die durch den Timewarp in einer Zeit von 50 Frames dargestellt werden, starten für 11 Frames mit Normaltempo, also „frame-by-frame“. Danach geht das Tempo (wie Kahn) in die Knie. Das letzte Frame wird am Schluß für 15 Frames gehalten.
Dieses Timing verschiebt sich natürlich, sobald die Ursprungslänge des Clips eine andere ist.

Je nach Länge des Clips kann es passieren, dass durch das Hinzufügen von Frames ein Ruckeln entsteht (das kennt man schon von krummen Prozentzahlen wie 39,4% bei Motion- Effekten). Auf jeden Fall sollten Sie mit „Interpolated Field“ rendern (siehe "Rendern".).


0% to 100%: „Von Null auf Hundert in...“

Timewarp 0-100
Beschleunigung von Standbild bis Normaltempo.
Dieser Effekt ist vergleichbar mit dem Vorhergehenden, es wird allerdings die erste Hälfte des Original-Clips benutzt.

Kahn ist zunächst im Standbild zu sehen (15 Frames), springt dann langsam los und sobald er den Boden in Normaltempo berührt (10 Frames lang), sind die 50 Frames rum. Wollen Sie auch den durchkullernden Ball noch sehen, bemühen Sie den Trim-Modus und verlängern den Clip am Ende.


Reverse Motion: „Und es geht rückwärts“

Timewarp reverse
Auch negative Werte sind (ähnlich wie bei Motion-Effekten) erlaubt. Im Position-Graphen des Media Composers wird dies durch eine abfallende Kurve angezeigt, denn nun werden zeitlich später liegende Frames des Originals (auf der y-Achse oben) in der Timeline früher (x-Achse am Anfang) dargestellt

Der einfachste Effekt der Palette, der aber nicht in Realtime verfügbar ist. Hierbei macht sicher vor allem die Render- Einstellung „Both Fields“ Sinn. Der Avid tauscht dabei auch die Reihenfolge der Fields, sodass sich ein sauberer Rückwärtshecht von Kahn ergibt.


Speed Boost: „Kurz mal in den Turbo“

Timewarp speed boost
Erst Zeitlupe, dann richtig aufs Gas.

Die Effekte „Speed Boost“ und „Speed Bump“ verwenden immer das gesamte Material des eingeschnittenen Clips.

Der Booster startet und endet mit einer Zeitlupe, dazwischen liegt ein kurzes Stück mit einer Beschleunigung. Oliver Kahn springt also in Zeitlupe ab, kracht hart und schnell auf den Boden, den
Kullerball sehen wir wieder in Slomo. Bei diesen 50 Frames wird mit einem Tempo von 53% gestartet und geendet, jeweils für etwa 15 Frames. Das Maximum an Speed in der Mitte beträgt 223%. Diese Werte sehen Sie auch in der Timeline angezeigt.

Avid Timline
In der Timeline wird der Verlauf des Boosts angezeigt.
Nun können Sie die Länge des Boosts verändern – wie gehabt ist auch hierbei der Trim-Modus gefragt.

Verlängern Sie das Segment etwa auf 100 Frames, so ergibt sich ein Verlauf von 26%-110%-26%.

Avid Timeline2
Nach einer Verlängerung des Clips werden die Prozentzahlen kleiner

Das bedeutet also, dass die Dynamik des Effekts direkt abhängig ist von der Segment-Länge in der Timeline. Je länger der Clip, umso niedriger die Prozentzahlen.Wenn Sie sich einmal die Zahlenverhältnisse anschauen, so ergibt sich immer eine Beschleunigung in der Mitte des Clips auf das Vierfache der Start- und Endgeschwindigkeit. Bei einer Cliplänge von etwa einer Sekunde startet der Avid mit Tempo 100, beschleunigt auf 400 und bremst dann erneut auf 100 runter.


Speed Bump – „Slow Down“

Timewarp Bump
Wie ein Schlagloch.

Sie können es sich schon denken: Im Gegensatz zum Boost wird hierbei die Geschwindgkeit in der Mitte des Clips gedrosselt.

Bei einer Cliplänge von etwa drei Sekunden startet und endet der Avid mit 100%, in der Mitte bremst er hingegen auf zirka 25% ab – wiederum ist hier das Verhältnis 4 : 1. Trim to Fill: „Geschwindigkeit gleich Weg durch Zeit”

Timewarp Trim to fill
Ziehen Sie einen „Trim to Fill“ auf ein Segment, so stehen zunächst alle Parameter auf „Normal“, die Speed-Kurve ist eine Gerade bei 100%. Sobald Sie aber den Clip per Trim verlängern oder verkürzen, wandert die Speed-Kurve nach oben oder unten.

Die letzte Variante der Timewarp-Presets bietet einen statischen Motion-Effekt, wie Sie ihn aus den früheren Avid-Versionen kennen. Allerdings hat er gegenüber einem auf Source-Seite generierten Effekt einen großen Vorteil: Ändert sich die Cliplänge beim Trimmen, so wird die Geschwindigkeit automatisch an die neue Länge angepasst. Schneiden Sie also unseren Beispielclip mit Olli Kahn (50 Frames) in die Timeline und ziehen diesen Effekt auf das Segment, so passiert zunächst gar nichts – das Tempo wird in der Timeline mit 100% angegeben. Sobald Sieaber nun über den Trim-Modus diesen Clip auf eine Länge von 100 Frames verlängern, wird daraus eine Zeitlupe mit 50%.
Und das ohne erneutes Laden des Original-Clips per Match Frame, neues Einstellen der Länge und so weiter. Eine sehr zeitsparende Möglichkeit, mit der Timeline flexibel zu bleiben.


Rendern

Render Settings
Rendersettings finden sich in den Settings des Projektfensters (bei Composer/Symphony: auch im„Motion Effect Editor“)

In den Rendersettings finden Sie neben den vom Motion Effect bekannten Optionen „Duplicated Field, Both Fields, Interpolated Field, VTR-Style“ noch die Varianten „Blended VTR“ und„Blended Interpolated“. Damit werden die Zwischenbilder, die durch die Geschwindigkeitsveränderungen neu entstehen, über Blenden generiert.

Je nach Geschwindigkeit gewichtet der Avid bei Blendet zwei aneinander stoßende Frames in einem bestimmten Mischungsverhältnis (vergleichbar mit einem Superimpose). Benötigt der Avid zum Beispiel drei Zwischenframes von Frame A nach Frame B, um eine Zeitlupenstrecke zu realisieren, so wird Frame 1 mit 25:75, Frame 2 mit 50:50 und Frame 3 mit 75:25 aus A und B verblendet.

Bei der Variante „Blended VTR“ wird zusätzlich der Zeilenversatz des zweiten Halbbildes, wie ihn MAZen bei Zeitlupen erzeugen, simuliert, während „Blended Interpolated“ die gewohnten soften interpolierten Fields entstehen lässt.
Generell haben diese geblendeten Timewarps einen eigenen Charme, der schwer zu beschreiben ist. Bei harten Kontrasten und starken Bewegungen im Bild bietet sich diese Renderversion nicht so an, da die Überblendungen dort sehr stark wahrgenommen werden. Dagegen entstehen bei kontrastarmen und relativ statischen Aufnahmen „romantischere“ Timewarps. Allerdings rechnet der Avid mit diesen beiden Einstellungen auch am längsten.

Glücklicherweise können Sie ja aber in Xpress Pro die Ergebnisse in Echtzeit beurteilen. Sie können herumspielen, über den Trim- Modus das Timing verändern und erst dann, wenn Sie wirklich zufrieden mit dem Ergebnis sind, auf den großen Renderknopf klicken, um das Ausspielen auf Band oder den Export als Datei zu ermöglichen. Und mit Mojo wäre auch das noch in Realtime möglich.

Timewarp Blendet
Rendersettings auf „Blended VTR“: Das Frame 19 und das Frame 20 werden zu je 50% übereinander geblendet und erzeugen damit ein Zwischenbild, zum Beispiel für eine Zeitlupe

Übrigens: In den neuen Systemen können Sie die globalen Rendersettings aus dem Projektfenster wahlweise pro Effekt berschreiben. Dazu klicken Sie im „Motion Effect Editor“, der für die Einstellung der Timewarp-Parameter zuständig ist, „Ignore Render Setting“ an und wählen eine andere Render-Methode für diesen Effekt.

Arne Sinnwell

 
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