Anlässlich der neuen HDV Version von Avid finden Sie hier einen Erfahrungsbericht, bei dem wir die Beta Software von Xpress Pro|HD gegen andere Final Versionen gegenüber gestellt haben. Bzw. da aller Anfang schwer ist - alle wichtigen Informationen zu HD und speziell zu HDV.
Wenn Sie schon alles über das neue HD bzw. im speziellen das HDV Format wissen, dann lesen Sie bitte gleich weiter unter weiter.
Seit Jahrzehnten mussten wir uns mit dem Standard Definition Signal zufrieden geben, das mit einer Pixelanzahl von 720x576 (Pal) bzw. 720x540 (NTSC) unseren Fernsehalltag darstellte. In den nächsten Jahren wird sich dies aber stark verändern. Der Fernsehsender Premiere macht seinem Namen alle Ehre und wird mit der Fußball WM in Deutschland den Anfang machen und eine große Masse an Satelitenhaushalten mit hoch-auflösender Bildern überfluten. Aber auch SAT1 und Pro7 werden in einigen Wochen schon einige Sendungen in HD zeigen. Bei HDTV gibt es keine Unterscheidung in PAL oder NTSC mehr, dafür aber unglaublich viele hochauflösende Formate, die mit erhöhter vertikaler und horizontaler Auflösung bis zu 6x so viele Bildpunkte haben, wie unser derzeitiges TV. Die wichtigsten Formate sind dabei in Europa: 1080/50i mit 1920x1080px und 50 Halbbildern pro Sekunde, das sehr stark von Sony forciert wird 1080/24p mit 1920x1080px und 24 Vollbildern pro Sekunde (progressiv) für Kinoproduktionen 720/25p mit 1280x720px; 25 Vollbildern, das von Panasonic und anderen Herstellern verwendet wird. Andere Formate sind - derzeit: 1080/24p, 1080/23,98p, 1080/25p, 1080/50i, 1080/30p, 1080/29,97p, 1080/60i, 1080/59,94i, 1035/60i, 1035/59,94i, 720/24p, 720/23,98p, 720/25p, 720/30p, 720/29,97p, 720/50p, 720/60p, 720/59,94p In der 1080i Liga wird hier aber gerne ein wenig geschummelt und nicht alle 1920 Bildpunkte aufgezeichnet. Bei Sony’s professioneller HDCam Serie sind es z.B. 1440x1080 und bei HDV 1080i sind es physikalisch nicht mal die (obwohl die Datenblätter etwas anderes vermuten lassen). Welche Auflösung ist die Richtige? Hier gibt es kein richtig oder falsch im klassischen Sinn: Da HD am Ende sowieso auf einem Beamer, LCD- oder Plasma Display landet, bringt die interlaced Auflösung (z.B. 1080i) gar nichts, da diese Geräte nur progressiv darstellen können. Da sieht 720p Material meist besser aus als 1080i. 720p hat wiederum den Nachteil, dass nur 25 Vollbilder vorliegen und so bei einer Wandlung auf Standard Definition (z.B: DVD) das klassische „Kinoruckeln“ bei horizontalen Schwenks eintritt. Da das ideale Format 1080/50p (50 Vollbilder/sek) noch nicht in Sicht ist, muss man sich für erste hier entscheiden – absolut Geschmackssache.
Welche Hardware wird benötigt? Bei echtem HD uncompressed müssen extrem leistungstarke Festplatten eingesetzt werden: ist ja schließlich auch 6 mal so groß = 6GB pro Minute. Bei HDV, das die Nachfolge von DV antritt, wird nicht mehr verlangt als eine ganz normale Festplatte, da hier das Material mittels MPEG2 so stark komprimiert wird, dass nur mehr max. 25Mbit pro Sekunde übrig bleiben (das sind max. 190MB pro Minute). Der Haken an der ganzen Sache ist aber genau dieser stark komprimierte MPEG2 Strom (MP@H-14 4:2:0 long GOP). Dieser sollte nach Möglichkeit nativ in diesem Format in das Schnittsystem gelangen und muss nun in Echtzeit ausgepackt werden. Noch viel schlimmer sieht die Situation beim Rausspielen aus, wo dieser entweder wieder in das MPEG2 HDV Format verpackt wird und zurück aufs Band kommt oder z.B. ein Windows Media (wmv)-Strom für die Vorführung entstehen soll.
Das bedeutet: Die Prozessor Leistung ist alles – unter 3GHz spielt sich (buchstäblich) nix ab und da 10GHz Prozessoren noch nicht erhältlich sind, wird man mit Sicherheit in einiger Zeit wieder einen stärkeren Rechner haben wollen. Aber jetzt zum HDV-Test mittels Avid Xpress Pro|HD 5.2: Um es so aussagekräftig wie möglich zu machen, haben wir die Dell 670 Workstation mit einem 3GHz Prozessor und die HDV Kamera Sony HVR-Z1E eingesetzt - also eine sehr üblich Konstellation. Beim Reinspielen ist alles beim Alten: an der Firewire Schnittstelle anstecken und los geht’s. Einziger Unterschied ist das etwas langsamere Ansprechverhalten, das durch die Mpeg Kompression entsteht. Erstens erstaunt die die extrem rasche Ansprechzeit in der Timeline – man merkt zwar, dass es kein Standard DV Material ist, aber ein (trotzdem) so schnelles Ansprechverhalten hatte keiner von uns erwartet. Schließlich hatten wir daneben den direkten Vergleich mit einer anderen Software laufen. Das Arbeiten ist dann wie gewohnt, lässt allerdings keine 6-10 Realtime-Spuren wie sonst zu. Wobei: dank eines cleveren Schachzugs ist bei den Avid|HD-Versionen ein zügiges Arbeiten in absoluter Spitzenqualität möglich – was ja sonst der Schwachpunkt bei HDV ist. Egal ob Farbkorrektur, PIP-Effekte, … also Dinge, bei denen sonst jedes System in die Knie geht (und teilweise das Material in seine Einzelteile zerbröselt wird), kommt die Stärke von Avid Xpress Pro so richtig zum Tragen: Avid setzt beim Rendern nicht wie die Konkurrenz auf einen 25Mbit mpeg Codec sondern verwendet seinen eigenen hochklassigen DnxHD 120 Codec. Gut, das nimmt zwar ein bisschen mehr Platz auf der Festplatte in Anspruch, aber dafür ist nach dem Rendern der Effekte das gesamt Material I Frame only. Bedeutet: keine Verzögerung mehr wie bei Mpeg2 long GOP. Nebenbei bekommt man auch noch die hochqualitative Bilder auf die HD DVD (z.B. wmv). Ansonsten gibt es zum Arbeit an sich nicht allzu viel zu sagen. Soll heißen: alles funktioniert wie gewohnt. Wenn aber die Mojo angeschlossen ist und ein Echtzeit-preview auf einem externen Videomonitor gezeigt werden soll: dann ist ein 3GHz Prozessor fast zu wenig - oder man gibt dem System eine Sekunde prefill-Vorsprung oder wechselt in den Halbbild Modus. Zum Abschluss haben wir das geschnittene Material wieder auf das Band zurückgeschickt. Dazu musste alles wieder in das long GOP Format – und daher neu berechnet werden. Andere Systeme benötigen dazu bis zu 15-fache Echtzeit (im Ernst: bedeutet 1 Stunde Material = 15 Stunden Renderzeit!!!) Das Xpress Pro System schaffte das ganze in 4.5-facher Echtzeit bei gleichem Endresultat. Und soll ein zweites Band angefertigt werden, muss nicht wie sonst das Material nochmals in einen HDV Strom verpackt werden, sondern Avid greift auf das gerenderte File zurück. Und bei einem direkten Export z.B. in einen wmv-Strom gewinnt Avid das Rennen sowieso, da alle Effekte wie oben beschrieben in DnxHD vorliegen und so die bestmögliche Qualität auf das Plasma Display kommt. Die Geschwindigkeit beim Rechnen hängt hier sehr stark vom Prozessor ab und – nicht zuletzt dank HDV - wird die Computerindustrie sicher weiter angekurbelt. Kurzum: Avid hat sich zwar Zeit gelassen bis die HDV-Funktionalität im System war, aber das Warten hat sich definitiv gelohnt. Man findet jetzt nicht nur einen hochgradig ausgereiften Workflow vor (soll heißen: fast wie bisher), sondern bekommt oben drauf auch noch eine gute Geschwindigkeit und das beste Endresultat. |